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   durch den Projektträger:

Entsorgungswege und Verwertungsoptionen von Produkten aus biobasierten Polymeren des post-consumer Bereichs

Entsorgung über die Biotonne

In Regionen, in denen die Biotonne installiert ist, werden Bioabfall und Grüngut (in der BioAbfV (2012) als "Abfälle tierischer oder pflanzlicher Herkunft zur Verwertung, die durch Mikroorganismen, bodenbürtige Lebewesen oder Enzyme abgebaut werden können." bezeichnet) – regelmäßig entsorgt und der biologischen Verwertung – aerobe oder anaerobe Behandlung – zugeführt. Die Kompostierung – aerobe Behandlung – entspricht dabei einem rohstofflichen Recycling, während die anaerobe Behandlung – Vergärung – als energetische Verwertung vor dem rohstofflichen Recycling der Gärreste bezeichnet werden kann.

Biologisch abbaubaren Kunststoffen – worunter überwiegend die biobasierten chemisch nicht strukturgleichen Polymere fallen – wurden von Seiten der Hersteller, Inverkehrbringer und Anwender Vorteile gegenüber konventionellen Kunststoffen vor allem durch ihre Kompostierbarkeit und Rohstoffquelle unterstellt2.

Schon in der Studie des Niedersächsischen Umweltministeriums (1999) haben sich Verbände wie die Bundesgütegemeinschaft Kompost e. V. (BGK), der Bundesverband der Deutschen Entsorgungswirtschaft (BDE) und die Bundesvereinigung der Humus- und Erdenwirtschaft e. V. (BHE) gegen die Entsorgung von biologisch abbaubaren Kunststoffen über die Biotonne ausgesprochen, da diese Abfälle als Störstoffe im Kompostgut betrachtet werden. Bei der Entsorgung von biologisch abbaubaren Kunststoffen zusammen mit Bioabfall wird zudem mit einer steigenden Fehlsortierung durch den Verbraucher gerechnet, welche den Störstoffanteil ansteigen lässt. Des Weiteren ist die aerobe Verwertung biologisch abbaubarer Kunststoffe kritisch zu betrachtet, da der Abbau unter aeroben Bedingungen zu keinem Düngeeffekt führt. Die biologisch abbaubaren Kunststoffe tragen nicht zur Struktur- oder Nährstoffverbesserung des Kompostes bei. Zusätzlich ist Energie im Prozess aufzuwenden, um die Materialien zu behandeln.3

Diesen Standpunkt vertreten die Verbände auch weiterhin, siehe u.a. Bundesgütegemeinschaft Kompost e.V.4

In der aktuellen Fassung der BioAbfV (2013) gehören biologisch abbaubare Kunststoffe aus überwiegend nachwachsenden Rohstoffen zu den verwertbaren Bioabfällen, sofern sie nach DIN EN 13432 oder DIN EN 14 995 zertifiziert sind, worunter Kunststoffabfälle mit der ASN 020104 ohne Verpackungen und Kunststoffe mit der ASN 200139 zählen.1

Somit sind Verpackungen aus biologisch abbaubaren Kunststoffen aus der Entsorgung über die Biotonne ausgeschlossen, wodurch sich die Entsorgung von biobasierten Kunststoffen über die Biotonne auf zertifizierte Produkte beschränkt, wie biologisch abbaubare Bioabfallsammelbeutel.


1BioAbfV (2012): Verordnung über die Verwertung von Bioabfällen auf landwirtschaftlich, forstwirtschaftlich und gärtnerisch genutzten Böden (Bioabfallverordnung - BioAbfV). Bundesministerium der Justiz, Stand: 05.12.2013, (15.09.2014)
2Beier, W. (2009): Biologisch abbaubare Kunststoffe. Broschüre, Umweltbundesamt, Dessau-Roßlau
3Niedersächsisches Umweltministerium (1999): Expertenkommission – Kunststoffindustrie in Niedersachsen am Leitbild einer nachhaltigen Entwicklung. Endbericht des Arbeitskreises 2 Biologisch abbaubare Kunststoffe, Niedersächsisches Umweltministerium Hannover
4Kehres, B. (2014): Kompostierung von "Biokunststoffen" ist ein Irrweg. Bundesgütegemeinschaft Kompost e.V.